CRA zur Orientierung

Cyber Resilience Act einfach erklärt

Überblick zu Terminen, Meldepflichten und typischen Auswirkungen des Cyber Resilience Act. Zur technischen und organisatorischen Orientierung, nicht als Rechtsberatung.

Cyber Resilience Act einfach verstehen

CRA in 30 Sekunden verstehen

Die wichtigsten Punkte zum Cyber Resilience Act in kurzer Form.

Was ist der CRA?

EU-Verordnung für Cybersicherheit aller vernetzten Produkte - Security by Design wird Pflicht.

  • Gilt direkt in allen EU-Ländern
  • CE-Kennzeichnung wird erweitert

Wer muss den CRA einhalten?

Hersteller, Importeure und Händler von Produkten mit "digitalen Elementen" im EU-Binnenmarkt.

  • Hardware & Software mit Netzwerkverbindung
  • Unabhängig von Unternehmensgröße

Was ändert sich & bis wann?

Neue Meldepflichten und CE-Kennzeichnung mit festen Terminen.

  • 11.09.2026: Meldepflichten starten
  • 11.12.2027: Vollständige Anwendung

Was ist der Cyber Resilience Act?

Der Cyber Resilience Act (CRA) ist eine EU-Verordnung, die erstmals verbindliche Cybersicherheitsanforderungen für alle digitalen Produkte mit Internetverbindung einführt. Als direkt anwendbare Verordnung gilt sie in allen EU-Mitgliedstaaten ohne nationale Umsetzungsgesetze.

Zentrales Prinzip: Security by Design und Security by Default über den gesamten Produktlebenszyklus. Die CE-Kennzeichnung wird um Cybersicherheitsanforderungen erweitert.

Wichtige Termine im Überblick

Diese Übersicht hilft bei der Planung. Maßgeblich bleiben immer Produktkategorie, Auslegung und gegebenenfalls rechtliche Bewertung.

Kurz zum Kontext

Der CRA schafft einen Rahmen für Security by Design, Update-Prozesse, Schwachstellenmanagement und Meldewege über den gesamten Produktlebenszyklus. Diese Seite gibt dafür eine erste praktische Orientierung.

1
23. Oktober 2024

CRA Beschluss

Das Cyber Resilience Act (CRA) wird offiziell beschlossen.

Abgeschlossen
2
20. November 2024

Veröffentlichung

Der Gesetzestext wird im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht und damit öffentlich zugänglich.

Abgeschlossen
3
11. Dezember 2024

Inkrafttreten

Das CRA tritt offiziell in Kraft. Ab diesem Datum gelten die neuen Regelungen.

Abgeschlossen
4
11. Juni 2026

Zertifizierung

Zertifizierungsstellen dürfen prüfen, ob Produkte die Anforderungen des CRA erfüllen.

Geplant
5
11. September 2026

Meldepflicht

Hersteller sind verpflichtet, gefundene Schwachstellen und Sicherheitsvorfälle zu melden.

Kritischer Meilenstein
6
11. Dezember 2027

Vollständige Anwendung

Alle neuen Produkte müssen vollständig den Anforderungen des CRA entsprechen.

Pflicht ab dann

Meldeprozesse früh vorbereiten

Ab September 2026 werden belastbare Meldewege wichtiger. Hersteller sollten deshalb frühzeitig Prozesse, Verantwortlichkeiten und Erreichbarkeiten festlegen.

Welche Produkte sind vom CRA betroffen?

Alle Produkte mit "digitalen Elementen", die direkt oder indirekt mit einem Netzwerk verbunden sind.

Hardware-Produkte

Smartphones, Laptops, Router, Sensoren, Kameras, Smart TVs, Fitness-Tracker

Software-Produkte

Mobile Apps, Betriebssysteme, Desktop-Software, Videospiele, Firmware

Komponenten

Prozessoren, Grafikkarten, Mikrocontroller, Softwarebibliotheken

Industrielle Systeme

PLC-Steuerungen, SCADA-Systeme, IIoT-Geräte, Industrie 4.0-Komponenten

Wichtige/Kritische Produkte

Passwortmanager, Firewalls, Smartcards, intelligente Zähler

CE-Kennzeichnung wird erweitert

Die bekannte CE-Kennzeichnung wird um Cybersicherheitsanforderungen erweitert und umfasst neue Produktklassen.

Klasse I

Normale Sicherheitsanforderungen

Die meisten vernetzten Geräte

Klasse II

Erhöhte Cybersicherheitsanforderungen

Wichtige Produkte mit besonderen Risiken

Konformitätsbewertungsmodule

Modul A

Interne Fertigungskontrolle - Selbstbewertung ohne notifizierte Stelle

Modul B+C

Baumusterprüfung + interne Fertigungskontrolle durch notifizierte Stelle

Modul H

Umfassende Qualitätssicherung - Bewertung des Qualitätssicherungsprozesses

Wesentliche Anforderungen des CRA

Diese Kernpflichten müssen alle betroffenen Produkte erfüllen.

Security by Design

Sicherheit muss von Anfang an in die Produktentwicklung integriert werden - keine nachträglichen Patches.

Update-Mechanismus

Automatische und sichere Update-Funktionen für Sicherheits-Patches während der gesamten Supportdauer.

Supportzeitraum

Mindestens 5 Jahre Sicherheitssupport zusagen und das Ende der Unterstützung rechtzeitig kommunizieren.

Globale Gültigkeit

Gilt für alle Hersteller weltweit, die Produkte auf dem EU-Markt vertreiben - unabhängig vom Geschäftssitz.

SBOM-Pflicht

Software Bill of Materials ("Zutatenliste für Software") mit allen verwendeten Komponenten und Bibliotheken.

Meldepflichten

24h Frühwarnung und 72h detaillierte Meldung von Sicherheitsvorfällen über zentrale EU-Plattform.

Meldepflichten ab September 2026

Die kritischen Meldepflichten, die alle Hersteller beachten müssen.

1

Sicherheitsvorfälle melden

Frühwarnung innerhalb 24h, detaillierte Meldung binnen 72h über zentrale EU-Plattform.

2

Schwachstellen-Management

Kontinuierliche Überwachung, SBOM erstellen, Updates während gesamtem Supportzeitraum bereitstellen.

3

Supportzeitraum kommunizieren

Mindestens 5 Jahre Support zusagen und Ende-Datum klar kommunizieren. Kostenlose Sicherheitsupdates.

Welche Erleichterungen für kleinere Unternehmen vorgesehen sind

Der CRA sieht unterstützende Maßnahmen für kleinere Unternehmen vor. Welche davon praktisch relevant sind, hängt vom Produkt und der konkreten Ausgangslage ab.

Vereinfachte Dokumentation

Reduzierte Anforderungen an die technische Dokumentation für kleinere Unternehmen.

Helpdesks

Spezielle Unterstützung bei Meldepflichten und Konformitätsbewertung.

Leitlinien

Detaillierte Implementierungsleitlinien speziell für kleinere Unternehmen.

Regulatory Sandboxes

Kontrollierte Testumgebungen für die Überprüfung von Produkten mit digitalen Elementen.

Häufige Fragen zum CRA

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Umsetzung des Cyber Resilience Acts.

Wenn es digitale Elemente hat (Software, Netzwerk, Update-Fähigkeit) und im EU-Binnenmarkt bereitgestellt wird, ist es betroffen. Ausnahmen: kostenfreie Open-Source-Software ohne Gewinnerzielungsabsicht, Medizinprodukte und Fahrzeuge mit eigenen Regelungen.

11.12.2024: CRA in Kraft (✓). 11.06.2026: Konformitätsbewertungsstellen bereit. 11.09.2026: Meldepflichten beginnen (auch für bestehende Produkte!). 11.12.2027: Vollständige Anwendung aller Anforderungen.

Ab 11.09.2026: Frühwarnung innerhalb 24h, detaillierte Meldung binnen 72h über neue zentrale EU-Meldeplattform. Betrifft aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle - auch bei bestehenden Produkten.

Kosten variieren je nach Produktkomplexität. Typische Aufwände: Gap-Analyse, Prozess-/Policy-Aufbau, SBOM-Erstellung, Update-Prozesse, Meldewege. KMU erhalten Unterstützung durch vereinfachte Dokumentation und Helpdesks.

Mindestens: Produktverantwortung, Entwicklung/IT, Compliance/Qualität. Wichtig: Verantwortliche Stelle für 24h/72h-Meldungen benennen und Schwachstellen-Management etablieren.

Software Bill of Materials = 'Zutatenliste für Software'. Detailliert alle verwendeten Softwarekomponenten und Bibliotheken. Pflicht nach CRA für Schwachstellen-Management. Muss nicht veröffentlicht werden, aber intern verfügbar sein.

Das BSI entwickelt die Technische Richtlinie TR-03183 mit konkreten Leitlinien für Hersteller. Teil 1 behandelt allgemeine Anforderungen, Teil 2 Software Bill of Materials (SBOM), Teil 3 Schwachstellenmeldungen und -behandlung.

Ja, der CRA gilt für alle Hersteller weltweit, die Produkte auf dem EU-Markt vertreiben - unabhängig vom Geschäftssitz. Beispiel: Japanische Spielekonsolen oder US-amerikanische Antivirensoftware müssen die CRA-Anforderungen erfüllen.

CRA-Themen strukturiert angehen

Wenn Sie Auswirkungen, Handlungsbedarf und passende nächste Schritte rund um den CRA strukturiert angehen möchten, unterstützen wir Sie bei der technischen und organisatorischen Vorbereitung.

Hinweis: Diese Unterstützung ist technische und organisatorische Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.

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